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Vorgeschichte und Programm


von der Entstehung eines Musicals
von Maximilian Weiß



Aufführungen am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag,
20./21./22. März, um 19.30 Uhr in der Neuen Aula


Rufe schallen durch die samstägliche Stille der Neuen Aula. Die 3m hohe Leiter wackelt bedenklich unter der Kraft des auf ihr herumturnenden Schülers. "Wir müssen noch ein gutes Stück nach links, ich kann den Haken so nicht erreichen", teilt Marcel Rose aus der Stufe 11 gerade lautstark den Kumpanen zu seinen Füßen mit. Also heißt es, den langen Abstieg auf dünnen Sprossen gefahrlos hinter sich zu bringen und die Leiter an die passende Position zu hieven. Marcel wischt sich den Schweiß von der Stirn. Die Uhr zeigt auf 8.30, abends. Heute noch soll das Bühnenbild für das Musical Joseph fertiggestellt werden.

Pläne für die Durchführung dieses Projekts, für das viele sowohl künstlerisch und musikalisch als auch handwerklich begabte Leute momentan ihre Zeit opfern, gab es schon vor knapp zwei Jahren. Damals hatte der Musiklehrer Herr Mönks, der bereits vor mehr als 13 Jahren mit dem Stoff Aufführungspraxis sammelte, den Anstoß gegeben. Doch in der langen Zeit geriet die gute Idee in einen Treibsand aus Terminverschiebungen und Lehrer-Fortgängen und drohte schließlich endgültig zu versinken - bis sich kurz vor den Winterferien ein paar über die Jahre treue Mitglieder des spärlich besetzten Ensembles zusammenrauften und entschieden, die Organisation der Theaterproduktion selbst in die Hand zu nehmen ( - was die Mithilfe von Lehrkräften des Grabbes, die etwa in Form von Frau Sentker sehr engagiert und vertrauensvoll stattfand, deswegen noch lange nicht ausschloss).
Dass das Musical aus der Feder Andrew Lloyd Webbers, ein Star dieses Genres, genug Potenzial mit sich bringen würde, um die Zuschauer begeistern zu können, stand dabei wohl außer Frage - der stets schwungvolle Mix aus bekannten Musikstilen wie Rock'n'Roll oder französischem Chanson lässt nie Langeweile aufkommen, und die bekannte Bibelgeschichte ist mit viel Witz und Dramatik aufbereitet. Doch was den unerfahrenen Schülern Sorgen bereitete, war der Organisationsaufwand, den sie nur erahnen konnten: "Natürlich wussten wir, dass einiges an Arbeit auf uns zukommt", berichtet etwa Benedikt Brenk, der als Chef-Organisator die Fäden in der Hand hält. "Doch auch wenn wir zu Beginn versuchten, alles Wichtige zu beachten, regelt sich das meiste doch erst in den letzten Wochen." Da schaltet sich Philipp Böing, der mit Joseph die Titelfigur höchstselbst verkörpern wird, ein: "Aber mal ehrlich: Welches große Projekt hat denn wohl keine spannende Endphase? Wichtig ist doch, dass es letztlich klappt." Und dafür stehen die Zeichen, sollte der restliche Zeitplan eingehalten werden, gar nicht schlecht: musikalisch stünden die Szenen sowieso, in den nächsten Tagen gelte es nun, das Zusammenspiel zwischen dem Ensemble, der Band, dem Licht und der Tonregie zu verfeinern. Auch die Kostüme wären noch nicht alle fertig genäht, aber, so Benedikt, "das wird am leichtesten zu integrieren sein". Und Philipp verspricht andeutungsweise sogar noch ein paar technische Spielereien, die für die ein oder andere Überraschung beim Publikum sorgen sollen - "Sowas hätte es vor 13 Jahren sicher nicht gegeben".

Und das Bühnenbild? Die jugendlichen Handwerker um Marcel haben inzwischen auch die Seitenwände aufgestellt und somit ihr Werk eigentlich getan. Dennoch fährt das Sägeblatt ein vielleicht letztes Mal mit ruhiger Hand geführt durch eine Holzlatte und trennt ein maßgerechtes Stück davon ab. Es soll als zusätzlicher Stützbalken die Aufhängung der blauen Tücher absichern. Keine schlechte Idee - schließlich sollten unliebsame Überraschungen während der Vorstellung besser vermieden werden.