Reise nach Washington



Im Schneesturm

Arnold Schwarzenegger, Gouverneur von Kalifornien, am Telefon

Von Udo Mönks (Text und Fotos)

Montag, sehr früh. Die Anreise per Bahn von Detmold zum Flughafen Frankfurt ist kein Problem für Frühaufsteher. Nur in Herford in den ICE umsteigen, dann kann man bis zum Terminal 1 durchfahren.
Dort in der ,,Business Lounge" erkennt man die Mitreisenden (insgesamt etwa 30 Personen, davon 15 Journalisten) an den von der Staatskanzlei zugesandten Ansteckern mit Namen und Funktion.
Unser Ministerpräsident begrüßt alle persönlich mit Handschlag. Abflug planmäßig.
In Washington kommt dann abends schon die Wetternachricht: Schneesturm am Dienstagabend, Flughäfen schließen dann, die Schulen bleiben bis zum 16. Februar dicht!
Es wird diskutiert, gleich am nächsten Tag nach Kalifornien weiter zu fliegen. Zu spät: Alle Flüge sind bereits ausgebucht. Das Team richtet sich auf den Verbleib in Washington ein.

Dienstag, 9. Februar. Also kleines Programm: Gespräche mit Regierungsvertretern führt Herr Rüttgers, die Journalisten empfangen ihn nach seiner Rückkehr mit Fotoapparat und Kameras. Gesprächsrunde mittags mit dem Botschafter, Einladung zum Essen/Empfang abends.
Die Fahrt zur Deutschen Botschaft ist recht abenteuerlich. Der Schneesturm setzt tatsächlich ein. und was für einer!

Beim Empfang treffe ich Mrs Jackson, die Schulleiterin der McLean High School. Eine herzliche Begrüßung, ein kurzes Gespräch, eine Einladung zum Besuch 2011. Gut!
Ach ja: Das Essen war lecker, der Wein aus Baden.
Nachts tobt der Schneesturm ums Hotel. Am Mittwochmorgen wagen sich die Mutigen zum German American History Intitute - und bleiben auf der Rückfahrt in einer Schneewehe stecken. Die Strecke vom Hotel dorthin war eigentlich kurz. Man hätte auch laufen können - aber in Halbschuhen?
Herr Rüttgers schiebt den Bus wieder frei. Der Busfahrer hilft mit Vollgas. Spinning wheels! Der Film und die Fotos gehen durch die Fernsehnachrichten in ganz Deutschland.
Nein, der freundliche Schieber neben unserem Ministerpräsidenten ist ein junger Mann von der Security! Ich bin im Hotel geblieben und habe mit den McLeanern telefoniert.
Aber selbst meine Tochter glaubt ihren Vater am Bus erkannt zu haben!?!

Der Mittwoch klingt mit einem Abendessen im Hotel aus. Die Journalisten freuen sich über ein ,,Kamingespräch" mit Herrn Rüttgers. Ein sehr persönliches Gespräch über alle möglichen Themen der Landes- und Bundespolitik. Oft heißt es: Das bleibt aber hier unter uns!

Es steht jetzt fest: Sobald der Flughafen wieder eröffnet, werden wir fliegen, und zwar nach Frankfurt zurück! Arnold Schwarzenegger wird nur telefonisch kontaktiert. Er lässt grüßen, sagt der Ministerpräsident.

Donnerstag: Strahlend blauer Himmel! Die Sonne lacht über einer glänzenden weißen Pracht. Für das Frühstück hat sich unser Freund Phil Rosenfeld angesagt. Gemeinsam mit dem für die inhaltliche Abstimmung zuständigen Vertreter der Staatskanzlei erörtern wir drei die Absichten und Grundzüge der Obama-Administration. Die Schulpolitik der 50 Bundesstaaten der USA soll vereinheitlicht werden. Dazu lockt die Bundesregierung mit Geld ... Uns kommen Parallelen zur Schulpolitik in Deutschland in den Sinn.
Das Gespräch wird später mit Herrn Rüttgers und zwei Staatssekretären fortgesetzt. Während unser Ministerpräsident einen Termin im Weißen Haus wahrnimmt, tritt die Presse in die ,,Schulrunde" und befragt nach einer einleitenden Information die amerikanischen Vertreter. Zum Abschluss wird das Austauschmodell von MHSO und DJO lobend erwähnt.
Jetzt noch einen kleinen Imbiss, dann geht es zum Flughafen. Die Hauptstraßen sind geräumt. Vor dem Hotel traue ich meinen Augen nicht: Eine ausgewachsene Planierraupe auf Ketten schiebt die Kreuzung frei! Ein ,,normaler" Schneeschieber hätte es doch auch getan, aber so etwas sehen wir erst am Flughafen im Einsatz!

Mit mehrstündiger Verspätung fliegen wir etwa um 20.00 Uhr Ortszeit los und erreichen Frankfurt gegen 11.00 Uhr MEZ. Unser Ministerpräsident verabschiedet sich vorbildlich von jedem Einzelnen seines Reiseteams. Gut! Er holt seinen Koffer selber vom Band - das hätte ich so nicht erwartet.

Muss ich über die Bahnfahrt nach Detmold berichten? Dass die ICEs alle in Kurzform gefahren werden? Dass sie alle total überfüllt sind? Dass ich nach langem Stehen endlich einen Sitzplatz ergattern kann? Dass der Zug wegen technischer Probleme langsamer fährt und die Verspätung immer größer wird ....
Gegen 17.00 Uhr bin ich wieder zu Hause. Es hat geschneit in Detmold!! Na sowas!
Dann werde ich meine Schneewette in Kloster Brunnen ja wieder einmal gewinnen!