Spuren der Geschichte

Wie die Grabbianer

George Washington begegnen

Von Christian Oesterwinter

Samstag, Mt Vernon.
Heute ist erst am späteren Nachmittag Probe, vorher wollen wir mit dem
Bus nach Mt. Vernon fahren. Da hatte sich George Washington
niedergelassen, nachdem der Unabhängigkeitskrieg gegen England beendet
war. Die Plantage liegt sagenhaft auf einem Hügel über dem Potomac.
Das Wetter ist hochsommerlich, es ist kein Arbeitstag und wir sind
wahrhaftig nicht alleine in diesem amerikanischen Nationalheiligtum. Die
Schlange meist amerikanischer Touristen vor dem Herrenhaus ist ziemlich
lang. Schon am Eingang  des Geländes ist uns ein komischer Vogel
begegnet, jemand in einer Kostümierung, als wäre er aus dem 18.
Jahrhundert entsprungen.  Es ist ein Schüler der McLean High School,
der mit  ungefähr 100 weiteren  Mitschülern  ein Projekt über die
Zeit  der Aufklärung macht.  Sie kriechen in die Rolle einer
historischen Figur aus Washingtons Umgebung und spielen sie mit
Perfektion. Sogar das um 1800 noch sehr englische Amerikanisch wird mit
vielen Schnörkeln und Verzierungen zelebriert. Geschichte lernen by
doing. Aber was habe ich von der Aufklärung begriffen, wenn ich George
Washingtons Gärtner perfekt spielen kann? Das Schlangestehen ist nicht
unsere Sache, man muss ja nicht unbedingt in das Haus. Man kann sich
auch wie die Vier aus der 9M dahinter auf die Wiese setzen und sich von
Jonathan aus seinem letzten Schmöker erzählen lassen.
Nach dem Mittagessen ist dann wieder 3 Stunden Probe in McLean.