Ein Raum voller Musik
Freuen sich über eine gelungene Aufführung: Die Orchesterleiter Gretta
Sandberg und Udo Mönks sowie Rezitator Maximilian Streicher (von links). Foto: Schwabe
Konzert des Jugendorchesters:
Krönender Abschluss einer Begegnung der anderen Art
Detmold (ans). Schneller, höher, weiter - das sind die Ingredenzien
einer individualisierten Gesellschaft, die den Erfolg des Einzelnen
über die Begegnung der Menschen untereinander stellt. Dabei ist doch
die Begegnung mit dem Anderen ein Wesensmerkmal des Menschen. Was
geschieht, wenn der Andere nicht der Konkurrent, der "Mitbewerber", der
Gegner ist, war am Mittwoch und Donnerstag im Grabbe-Gymnasium in
eindrucksvoller Weise zu hören.
An zwei Abenden wurde die neue Aula des Gymnasiums, das gegen alle
Tendenzen aus Politik und Gesellschaft für sich ein auf die klassische
Musik bezogenes Profil erhalten will, zu einem Raum voller sinfonischer
Musik. Ein großes Orchester mit acht Celli, fünf Kontrabässen, drei
Hörnern, Flöten, um nur einige Besonderheiten zu nennen, war kaum auf
der Bühne zu platzieren. Dieser wahrhaft sinfonische Klangkörper war
nur möglich, weil allein 23 Streicher den weiten Weg aus Washington
nicht gescheut haben, um hier mit ihren deutschen Freunden in einer
Woche ein gemeinsames Programm von über zwei Stunden Länge zu
erarbeiten (die LZ berichtete).
Die gut 400 Leute durften einmal mehr erleben, wie aus dem Zusammenklang
gemeinsamen Handelns kompetenter Individuen etwas entsteht, das mit dem
Wort Gemeinschaft nur unzulänglich beschrieben werden kann, weil dieses
Wort das harmonische Geschehen, das hier unter kompetenter Leitung von
Gretta Sandberg und Udo Mönks entwickelt wurde, nicht wirklich
mitklingen lässt. Um diese Harmonie in all ihren Sinn stiftenden
Spannungen und klanglichen Facetten entstehen zu lassen, hatten die
beiden musikalischen Köpfe eine hervorragende Idee. Sie ließen ihr
Orchester Geschichten erzählen. Von Tod und Tänzen, von Liebe, Heimkehr
und Lebenslust. Geschichten, mit denen die Jugendlichen diesseits und
jenseits des Atlantiks etwas verbinden, so dass sie anspruchsvolle
Hörbilder eindrucksvoll umsetzten konnten.
So zum Beispiel "Ases Tod" aus der ersten Peer-Gynt-Suite von Edvard
Grieg, oder viele der Figuren aus dem sinfonischen Märchen "Peter und
der Wolf" von Sergej Prokofjew wie Peter, den Vogel, die Katze, den
Großvater oder die Jäger. Maximilian Streicher las das Märchen mit viel
Ausdruck vor. Dabei hätte er gar nicht als Tierstimmenimitator
auftreten müssen. Den Part hat ja das Orchester.
Mit Verve warfen die jungen Musiker sich auch in Griegs
"Huldigungsmarsch" oder in die Auswahl der schönsten Melodien und
Musiken aus Leonard Bernsteins "West Side Story". Einige mussten als
Zugabe gleich wiederholt werden, nachdem sich alle Beteiligten bei den
vielen Freunden bedankt hatten, die diese Begegnung erst möglich
machten.
LZ-Bericht vom 4. Februar 2006