Austausch in Dur

Gretta Sandberg am Pult: Die jungen Musiker aus Detmold und dem
amerikanischen McLean haben in den vergangenen Tagen jede freie Minute
in die Proben für ihre beiden Konzerte investiert.
Foto: Preuss
Detmolder Jugendorchester hat Besuch aus USA
Detmold (blu).
Das Orchester ist groß. Sehr groß. Nur mit einem
vorgebauten Podest finden alle Musiker auf der Bühne der Neuen Aula im
Grabbe-Gymnasium Platz. Der Grund für die große Besetzung: Das
Detmolder Jugendorchester hat sich für seine Konzerte heute und morgen
Abend Verstärkung geholt. Und zwar gleich aus Amerika.
Das Detmolder Jugendorchester und das Streichorchester der McLean
Highschool aus den USA verbindet bereits eine lange Freundschaft. Vor
zehn Jahren gabs die ersten Kontakte, im vergangenen Jahr waren die
jungen Instrumentalisten aus Detmold wieder einmal zu Gast in McLean -
und jetzt sind 25 amerikanische Streicher zum Gegenbesuch in Lippe.
Neben einem Ausflug nach Köln, den morgendlichen Schulbesuchen sowie
gemeinsamen Unternehmungen in der Gruppe und mit den Gastfamilien, in
denen die jungen Amerikaner untergebracht sind, steht natürlich das
Musizieren im Mittelpunkt dieser transatlantischen Begegnung.
"Wir proben in jeder freien Minute", erzählt der Leiter des Detmolder
Jugendorchesters, Udo Mönks. Kein Wunder: Heute und morgen gestaltet
das insgesamt 85 Instrumentalisten zählende Orchester schließlich zwei
große Konzerte.
Der internationale Gedanke zieht sich durch das komplette Projekt. Mit
Kompositionen von Edvard Grieg (unter anderem die Peer-Gynt-Suiten) und
Sergej Prokofjews "Peter und der Wolf" stehen typisch europäische Werke
auf dem Programm, mit Aaron Copland und Leonard Bernstein (das
Orchester spielt Ausschnitte aus der "West Side Story") typisch
amerikanische Komponisten. Und auch am Pult gibts einen
deutsch-amerikanischen Stabwechsel: Udo Mönks und seine amerikanische
Kollegin Gretta Sandberg wechseln sich beim Dirigieren ab.
"Musik gemeinsam zum Klingen bringen"
Udo Mönks
Für Mönks liegen die Vorteile dieses Austausches klar auf der Hand.
"Zum einen lernen unsere Schüler die Lebensart der Amerikaner kennen,
diese etwas lockerere Einstellung. Außerdem haben sie Gelegenheit, ihre
Sprachkenntnisse zu trainieren - im musikalischen Sektor und ganz
normal im Alltag mit den amerikanischen Gästen." Und wenn das mit der
Verständigung mal nicht sofort hundertprozentig klappt, dann ist da ja
immer noch die Musik. "Die Musik zu fühlen und gemeinsam zum Klingen zu
bringen - das hat die beiden Orchester wirklich schnell
zusammengebracht", sagt Mönks. Und wenn die jungen Musiker mal nicht
verstehen, was der anderssprachige Dirigent von ihnen will, dann hilft
nur eines: Die Frau oder der Mann am Pult singen den Schülern einfach
vor, was sie meinen.
Die Ergebnisse der Probenarbeit sind heute und morgen Abend jeweils ab
19.30 Uhr in der Neuen Aula des Grabbe-Gymnasiums zu hören.
LZ vom 1. Februar 2006