Soohong Park
Im Strom der Töne versunken
Mit 13 Jahren widmet Soohong Park sein Leben der Musik
und studiert als Jungstudent an der Musikhochschule
Detmold. Die Augen geschlossen, vollends im Strom der Töne versunken, die Hände mal sanft, mal energisch über die Tastatur gleitend, eins mit dem Klavier: Der 13-jährige Soohong Park spielt Bach, eine Kostprobe aus seiner bestandenen Aufnahmeprüfung. Der begabte Koreaner ist seit zwei Monaten Jungstudent an der Detmolder Musikhochschule. Einer von derzeit 20 Gymnasiasten, die sich neben der Schule ganz der Musik widmen.
Von Sabine Wygas (Text) und Vera Gerstendorf-Welle (Foto)

Sohoong hat dafür seine Familie und Freunde in Korea zurücklassen müssen. "Ich vermisse sie, natürlich, aber mit meinen Freunden kann ich später immer noch spielen, doch um das Klavier perfekt zu beherrschen, dafür ist es irgendwann zu spät", sagt der Junge. Eine rationale Sichtweise, die seine Gasteltern, Familie Hanneforth aus Heidenoldendorf, bei der der Jungkünstler seit diesem August wohnt, erstaunt. "Für sein junges Alter hat er eine unglaubliche Disziplin" erzählt Udo Hanneforth bewundernd. "Gefühle trägt er weniger nach außen, was ja vielleicht auch kulturell begründet ist."
Über familiäre Unterstützung kann sich der Junge allerdings nicht beklagen. Liebevoll hilft Soohongs Vater, ein selbstständiger koreanischer Kaufmann, seinem Sohn bei der Verwicklichung der ehrgeizigen Ambitionen. Jedes Mal begleitete er ihn bei seinen Reisen nach Deutschland. Und auch an Weihnachten wird er den weiten Weg auf sich nehmen, damit der Jungkünstler nicht allein in die Ferien nach Korea fliegen muss. Auch wenn der das ohne Zweifel auch ohne Hilfe schaffen würde. Denn wenn sich Soohong etwas vornimmt, zieht er es eisern durch. Obwohl der 13-Jährige leidenschaftlich gerne Basketball spielt, sich gerne beim Tischtennis austobt und oft im Internet surft, setzt er klare Prioritäten. "Das Klavierspielen geht immer vor", sagt Soohong. "Zwei bis drei Stunden übe ich täglich, das lasse ich nicht ausfallen."
"Klavier fand ich früher langweilig"
Soohong Park
Diese stete Leidenschaft für das Tasteninstrument hatte der Junge jedoch nicht immer. Mit fünf Jahren hat Soohong mit dem Klavierspiel begonnen, allerdings nicht auf eigenen, sondern auf nachdrücklichen Wunsch seiner Mutter, einer Organistin, die auch seine drei Geschwister allesamt ans Klavier gebracht hat. "Damals fand ich das Klavierspielen langweilig, ich wollte lieber was anderes machen", erinnert er sich. "Ich war einfach zu jung, mittlerweile macht es mir aber wirklich Spaß." Seine aufgeweckten Augen fangen dabei an zu strahlen.
Beethoven hat es ihm besonders angetan. Der hat schließlich diese unglaublichen Kompositionen geschaffen, und das, obwohl er taub war, sagt er. Soohongs unbändige Freude an der Musik muss auch Professor Rainer Weber von der Musikschule Detmold gleich gespürt haben. Der hatte vor zwei Jahren Urlaub in Korea gemacht und sich in einer Klavier-Privatstunde vom Talent des Pianisten überzeugt. Danach war klar: Der Junge muss an die Musikhochschule. "Professor Weber und vor allem Dina Ugorskaja, in deren Klasse ich jetzt bin, haben intensiv mit mir geübt, ohne sie hätte ich die Aufnahmeprüfung nicht geschafft", so Soohong. "Komischerweise war ich dabei auch gar nicht aufgeregt."
"Beethoven statt Hip Hop"Udo Hanneforth
So stand einem Umzug nach Detuschland in diesen Sommer nichts mehr im Wege. "20 Jungstudenten sind derzeit bei uns eingeschrieben", sagt Vanessa Aldemir vom Studentensekretariat der Musikhochschule. 75 Euro zahlen die Schüler pro Semester, nach dem Abitur müssen sie dann den ganz normalen Studienbeitrag leisten. "Wir hoffen natürlich, dass die Schüler nach dem Abi bei uns weiter studieren, aber sie haben selbstverständlich die freie Wahl und oft wechseln sie auch die Hochschule." Das hat auch Soohong vor. "Nach dem Abitur will ich nach Berlin gehen und dort studieren."
Doch erst einmal muss der hoch begabte Künstler die sechste Klasse des Grabbe-Gymnasium abschließen. Dort hat er schon viele Freunde gefunden. Im Gegensatz zu denen hört er allerdings weniger die aktuellen Charts, sondern hat sich auch beim Zuhören ganz der Klassik verschrieben. "Hip Hop oder Ähnliches interessiert ihn nicht", so Udo Hanneforth. "Oft schläft er abends ein, während er noch eine Beethoven-CD hört."
Kaum Ermüdungserscheinungen zeigt der aufgeweckte Koreaner, wenn es um seine Deutschkenntnisse geht. Die sind, angesichts der kurzen Zeit, die er hier lebt, bereits so gut, dass sie einen in pures Erstaunen versetzen. Bei der deutschen Küche hatte Soohong jedoch so seine Probleme. "Hier wird sehr viel Fleisch gegessen, mit ganz anderen Soßen als bei uns. Aber mittlerweile gefällt mir das Essen gut. Mein Lieblingsgericht ist Döner", sagt er mit einem verschmitzten Lächeln.
LZ vom 1. November 2005