LZ-Rezension

Chöre und Orchester fanden großen Anklang

Weihnachtskonzert des Grabbe-Gymnasiums

Von Andreas Schwabe

Detmold. Über Schule lässt sich streiten: Schule befindet sich im unauflöslichen Widerspruch, Leistung zu fordern und gleichzeitig einen geschützten Raum bieten zu müssen. Beides geht nicht zusammen. Das Grabbe setzt da sogar noch einen drauf: Mit dem Anspruch, ein musisches Gymnasium zu sein, steht es latent im Wind einer Diskussion, der je nach Maßstab heftig wehen kann. Was also soll, kann und darf die Rezension eines Weihnachtskonzertes?

Weihnachten - Zeit der Zuwendung, Versöhnung, Vergebung. Wichtige Motive eines familiären Gefühls, das bis in die Schule hineinströmt. Nicht zuletzt deshalb sind Weihnachtskonzerte der Schulen Akte der Selbstspiegelung im Lichte der Freude und der Anerkennung und eben kein Anlass, über Maßstäbe zu diskutieren. Zu würdigen ist insbesondere, dass die Musiklehrer Hanne Sentker, Wilhelm Michael und Udo Mönks ein zweistündiges Programm mit so anspruchsvollen Kompositionen wie dem Concerto grosso Nr.8 von Arcangelo Corelli oder der Kantate "Kommst du, Licht der Heiden" von Dietrich Buxtehude einstudiert zu haben. Und welches lippische Gymnasium verfügt schon über einen vollständigen Streichersatz und kann zudem in Tigran und Ashot Karatyan (beide Geige) sowie Nico Treutler (Cello) drei Solisten für das Corelli-Konzerten aufbieten?

Anmutiger Unterstufenchor

Tigran hinterließ dabei einen besonders nachhaltigen Eindruck. Sandra Botor und Martin Wiese nahmen sich ihrer gesangssolistischen Aufgaben in Telemanns Weihnachtskantate "In dulci jubilo" mit viel Verve an und dokumentierten viel musikalisches Potential.

Die Auswahl der vier kleinen geistlichen Kantaten von Günther Kretzschmar schließlich bot dem Unterstufenchor Gelegenheit, sich mit dem an englische Folklore anlehnenden Klangbild sehr anmutig in Szene zu setzen. Die Akteure von der Unterstufe bis zu dem um Eltern und Lehrer erweiterten Chor sowie das Schulorchester in der vollen Martin-Luther-Kirche haben langen Applaus für das ihr Publikum in weiten Teilen berührende Erlebnis geerntet.

Eine Diskussion könnte an Intonationsfragen und an Fragen der engagierten Präsenz jeder einzelnen Sängerin und jedes einzelnen Sängers ansetzen. Wer hier Außergewöhnliches zu entwickeln vermag, kann Musik so zum Klingen bringen, dass diese, über eine familiäre Wirkung hinaus, vorbildlichen Eindruck macht. Wer sich die Musik auf seine Fahnen geschrieben hat, der darf sich eigentlich mit dem Üblichen, das natürlich schön ist, nicht zufrieden geben.
[LZ vom 23. Dezember 2005]