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Detmold
(aga). Mit Franz Schuberts ,,Tragischer" hatte das Jugendorchester
Detmold eine Sinfonie in sein Konzertprogramm aufgenommen, deren Titel
nicht besser passen konnte. Zwar ist über die Hintergründe der
Entstehung des Werkes recht wenig bekannt, aber die aktuelle
finanzielle Situation des Orchesters und deren Entstehung kennzeichnet
der Titel nur zu gut. Davon ließen sich die jungen Musiker in der Aula
des Grabbe-Gymnasiums aber nichts anmerken.
"Wir
geben dieses Konzert der Musik wegen. Wir tun dieses, um Ihnen ein
Hörvergnügen zu bereiten", kündigte Orchesterleiter Udo Mönks den mehr
als 300 Gästen an. Dabei gehe es nicht in erster Linie um Geld, auch
wenn das Orchester diese Auftritte nutze, den wirtschaftlichen
Tiefschlag zu lindern.
Anfang Mai waren dem Orchester zwei Tage vor
der geplanten Reise zum befreundeten Orchester der McLean High School
in Washington die Tickets von der Fluggesellschaft verweigert worden.
Das betreuende Reisebüro hatte das Wochen zuvor eingezahlte Geld nicht
an die Airline überwiesen. Der Fall beschäftigt nun die Justiz.
Sponsoren
waren kurzerhand eingesprungen, um die lange geplante Reise des
Jugendorchesters dennoch zu ermöglichen. Nun sind die Musiker aus den
Staaten zurück, das Orchester ist allerdings hoch verschuldet.
Nicht
mit Pauken und Trompeten untergehen, sondern, in diesem Fall besonders
mit Pauken, die Misere überwinden. Bei der Sinfonie für acht Pauken und
Orchester von Johann Fischer stand Solist Manuel Westermann, umringt
von seinen Instrumenten, im Mittelpunkt. Mitreißend, was der
Jungstudent der Kölner Hochschule für Musik in Köln auf seinen acht
Kesselpauken veranstaltete. Stürmischer Applaus begleitete den
Paukisten sowie den dieses Stück dirigierenden Studenten Viacheslav
Zaharov von der Bühne.
Das Publikum forderte noch vor der Pause eine
sofortige Zugabe. Die erfüllte der 20-jährige Westermann, der im Sommer
am Grabbe-Gymnasium sein Abitur erwirbt, auch prompt. "When the saints
go marchin' in" erklang es plötzlich. Das Stück, allein von den acht
Pauken intoniert, war schon ein besonderer Hörgenuss.
Für
den
Auftakt hatte das Jugendorchester die vor allem zu Beginn für die
Hörner sehr anspruchsvolle Ouvertüre zu Beethovens "Fidelio" gewählt.
Mit dem "Kaiserwalzer" von Johann Strauß sorgte es darüber hinaus für
einen beschwingten Abschluss. Die Idee einer Pausentombola hatten sich
die jungen Musiker bei den Kollegen in den Vereinigten Staaten
abgeschaut. Hauptgewinn war hier ein MP3-Player. Der Erlös dieser
Tombola sowie des Getränkeverkaufs soll dazu beitragen helfen, die
finanzielle Lage des Orchesters allmählich wieder etwas zu
entspannen.
LZ vom 15. Juni 2005