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Von Udo Mönks
Die
zwei Pauken des klassischen Sinfonieorchesters, der Militärmusik
entstammend und dort zu Pferde gespielt, sind im 18. Jh. in der Regel
in Tonika- bzw. Dominant-Stimmung eingesetzt und werden zusammen mit
den Bläsern für besondere klangliche Effekte herangezogen. Die Pauken
besitzen somit harmonische Aufgaben.
Um ein Instrumentalkonzert
gestalten zu können, müssen die „melodischen“ Möglich-keiten wesentlich
erweitert werden. Der Komponist Johann Carl Christian Fischer erreicht
mit acht Pauken im Stimmumfang einer Oktave eine Balance zwischen
Melodik und technischer Realisierbarkeit. Gemeinsam mit den Oboen oder
auch solistisch, sogar mit einer eigenen Kadenz, setzt Fischer die
Pauke als Melodieinstrument ein.
Das Konzert eröffnet ein locker
gefügter Moderato-Konzertsatz. Ein kurzes Adagio leitet in das
Schlussrondo mit gegensätzlichen Abschnitten über.
Der Komponist der
vorliegenden „Sinfonia“ konnte erst vor wenigen Jahren weitgehend
zweifelsfrei zugeordnet werden. Das Material wurde freundlicherweise
von der Landesbibliothek in Schwerin zur Verfügung gestellt.
Dass
eine Aufführung mit acht Pauken selten ist, liegt wohl an der
Kostenfrage, bedenkt man den Preis einer Konzertpauke. Wir danken der
Hochschule für Musik, dass uns die Instrumente zur Verfügung gestellt
wurden.
Schuberts "Tragische"
Wie bei seinen drei ersten Sinfonien weiß man auch bei Schuberts in den Jahren 1816-1818 entstandenen Sinfonien 4, 5 und 6 kaum etwas über ihre Entstehung. Skizzen oder Entwürfe zu diesen Werken sind nicht überliefert. Ebenso im Dunkel bleiben der genaue Anlass der Entstehung, sowie Ort und Datum der ersten Aufführung. Schubert datierte die Fertigstellung dieser Sinfonie auf den 27. April 1816 und fügte den Zusatz «Tragische» eigenhändig hinzu. Erst am 19. November 1849, also über 20 Jahre nach seinem Tod, wurde das Werk in der Leipziger Buchhändlerbörse unter der Leitung von Ferdinand Riccius das erste Mal öffentlich aufgeführt. Der Erstdruck der frühen Sinfonien Schuberts entstand unter der redaktionellen Aufsicht von Johannes Brahms im Jahr 1884.
Ihrer Form nach folgt die vierte Sinfonie den klassischen Mustern Haydns und Mozarts. So beginnt der erste Satz mit einer langsamen Einleitung, auf deren schwermütigen Charakter sich der Titel des Werkes beziehen könnte. Die Einleitung kommt mit einem zentralen musikalischen Gedanken aus, einer Lamento-Figur aus aufsteigender Mollsext und schmerzlich übermäßigem Sekundschritt. Das anschließende Thema des schnellen Hauptsatzes ist von großer Unruhe geprägt. Der zweite Satz (Andante) wurde in der Vergangenheit häufig wegen seiner Ausdehnung kritisiert. Über einem leisen Streicherteppich in As-Dur treten zunächst die Oboe, dann weitere Holzbläser hinzu. Zweimal bricht ein Moll-Mittelteil brutal in den friedlichen Ausdruck des Hauptthemas herein. Der dritte Satz in B-Dur ist zwar als Menuett bezeichnet, hat aber Scherzo-Charakter und verliert aufgrund der komplexen Chromatik den Eindruck einer Dur-Komposition. Der permanente Wechsel der Schwerpunkte gibt dem Satz einen spielerischen Charakter. Das Trio rückt schließlich die metrischen Verschiebungen wieder zurecht: Der Ländler im Dreivierteltakt erfüllt mit seiner schönen Melodie alle Klischees der Wiener Tanzmusik. Das Finale beginnt mit vier Bläsertakten, die den Charakter einer Eröffnungsfigur oder eines Auftaktes haben. Während das folgende eingängige Thema in c-Moll mit seinem drängenden Gestus charakteristisch für den gesamten Satz ist, überrascht das zweite Thema mit einem eigenartigen Wechselspiel zwischen Streichern und Bläsern über den bewegten Mittelstimmen, den zweiten Geigen und Bratschen. Nach der Durchführung endet das Werk, wie bereits der erste Satz, mit einem feierlichen Schluss in C-Dur.