Sommerzeit
Samba statt Wald und Jagd
Detmolder Hornistin Victoria Duffin verleiht
dem Konzert des Jugendorchesters einen ganz besonderen GlanzVon Andreas Schwabe
Wer weiß schon, dass das Horn nicht nur nach Wald und Jagd klingt, sondern richtig singen, ja Samba tanzen kann? Jan Koetsier (1911 - 2006) weiß das. Der niederländische Komponist hat dem Horn ein kleines Konzert geschrieben, in dessen zweiten Satz dieses wegen seiner Klangfarbe durchaus respektierte, aber ansonsten stiefmütterlich behandelte Instrument richtig „singen“ und im dritten Satz richtig „tanzen“ muss. Und auch sonst kann im Hinblick auf die spieltechnischen und musikalischen Anforderungen an das Horn in diesem Werk mitnichten nur von einem „kleinen“ Konzert die Rede sein. Schließlich hat der Komponist das Werk dem Hornvirtuosen Hermann Baumann gewidmet. Victoria Duffin hat nicht ohne Grund einen ersten Preis auf Bundesebene von „Jugend musiziert“ gewonnen und schon mit 12 Jahren im Landesjugendorchester mitgespielt. Sie ist heute auch Mitglied des Bundesjugendorchesters und Stipendiatin der Jürgen-Ponto-Stiftung. Sie wusste auch am Sonntag und Montag in der Aula des Grabbe-Gymnasiums ihre Zuhörer zu begeistern. Ebenso das Detmolder Jugendorchester, dessen Leiter Udo Mönks seinen Streichersatz ganz besonders gut zu einem homogenen Klangkörper zusammengeschweißt hatte. Schon der Einstieg in das mit zwei Stunden Musik recht lange Konzert gelang prächtig. Voller Frische und mit schönen Schwung flanierte das Jugendorchester durch die zwischen Flöten und Streichern hin und her wehenden Farben in der d-moll-Sinfonie von Alessandro Scarlatti. An diesen überaus schönen ersten Teil konnten die jungen Leute nach der Pause nicht mehr so ganz anknüpfen. Tschaikowskis musikalischer Ausflug nach Italien verlangte eine immense Spannung, um die kontrastreiche Heiterkeit der Musik wirklich hörbar zu machen. Und um „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ als sinfonisches Event auftreten zu lassen, hätten die Arrangements eigentlich mehr Pep gebraucht. Dabei hat das Orchester aus dem, was der Arrangeur aufgeschrieben hat, noch viel herausgeholt. Prompt löste auch dieses Stück bei den Zuhörern helle Begeisterung aus, so dass das Orchester nicht ohne Zugabe von der Bühne runter kam.
LZ vom 17. Juni 2008