Paulus
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Bemerkenswerte Solistinnen: Bernadette Schäfer (links) und Luise Höcker.
Foto: Franz-Nevermann
Die wundersame Wandlung
Ovationen für "Paulus"-Wiedergabe von Chören und Orchester des Grabbe
Detmold (Nv). Freundlicher Beifall am Anfang, stehende Ovationen am Ende - das Jugendorchester und den Chören des Grabe-Gymnasiums gelang am Samstagabend in der Christuskirche eine ebenso perfekte wie ergreifende Wiedergabe des Oratoriums "Paulus" von Felix Mendelssohn-Bartholdy.
Mit seinen Oratorien unternahm Felix Mendelssohn-Bartholdy den erfolgreichen Versuch, den protestantischen Gemeindechoral in die Form des Händel'schen Vorbilds zu integrieren. "Paulus" entstand sieben Jahre, nachdem der Komponist die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach dem Vergessen entrissen hatte. Und so ist auch der Einfluss dieses Großmeisters unverkennbar. Das gilt für die der Besinnung dienenden Choräle, für den Einsatz des Chors als Vertreter verschiedener Bevölkerungsgruppen und für die oft erzählende und kommentierende Rolle des Vokalsolisten, aber auch für instrumentale Zwischenspiele.
Das Oratorium beginnt mit der Steinigung des Stephanus und einem Jüngling, der "Wohlgefallen an seinem Tode hat". Der Weg dieses Saulus zum Paulus, vom fanatischen Eiferer zum demütigen Gottesdiener, wird in dramatischen Auseinandersetzungen mit den Vertretern anderer Religionen und in einer fast transzendent wirkenden Bekehrungsszene aufgezeigt. Dabei werden Passagen aus dem Alten Testament ebenso verwendet wie Texte aus der Apostelgeschichte, den Briefen des Paulus und der Offenbarung des Johannes. Mit hoch konzentriertem Einsatz und überragender Disziplin überzeugten das von Udo Mönks einstudierte Jugendorchester und die von Hanna Sentker geleiteten Chöre des Grabbe gleichermaßen. Respektable Leistungen boten unter anderem die den Aufruhr der Eiferer gestaltenden Streicher, die Flöten der anbetenden Heiden und die samtenen Celli, die eine Tenor-Kavatine untermalten. Der verschlungene und verflochtene Eingangschor gelang ebenso vorzüglich wie die triumphalen Aufbrüche und die eher lyrisch betonten, nachdenklich einhaltenden Szenen.
Vier bemerkenswerte Vokalsolisten konnten für die Aufführung gewonnen werden. Bernadette Schäfer setzte die Strahlkraft ihres Soprans unter anderem in einer beängstigend gegenwärtigen Klage über Jerusalem ein, Luise Höcker (Alt) bot sanften Trost. Bohyeon Mun lieh seinen Tenor dem Erzähler und verschiedenen biblischen Gestalten. Der Bass Wolfgang Treutler überzeugte mit einer ebenso anrührenden wie ausdrucksvollen Gestaltung der Titelfigur. Wunderbar gelang ihm und allen Beteiligten die ergreifende Abschiedsszene des "Paulus", der sich von Ephesus aus in eine ungewisse Zukunft einschifft.