Bericht in der LZ
Musikalische Wanderung durch Böhmen
Ruhm, Stolz und Glanz: Detmolder Jugendorchester
überzeugt mit der "Moldau"
Detmold (cd). "Ich wünsche Ihnen eine genussreiche Wanderung durch Böhmen", so begrüßte Schulleiter Walter Hunger das Publikum zum Konzert des Detmolder Jugendorchesters im Grabbe-Gymnasium. Gespielt wurde "Die Moldau" von Friedrich Smetana. Eine Komposition, die zum Mitwandern einlud, wurde sie doch meisterhaft und facettenreich von dem Orchester interpretiert.
"Die Moldau" ist das wohl berühmteste Werk aus Friedrich Smetanas Komposition "Mein Vaterland". Der tschechische Musiker folgte dem Ziel, eine national geprägte tschechische, besonders dramatische Musik zu schaffen, wie es im Programm des Orchesterkonzertes heißt.
Dem Jugendorchester gelang es, genau diese dramatische Seite der Komposition zum Vorschein zu bringen. Ruhm, Stolz und Glanz sind Schlagworte, die dieses Tongemälde prägen, und die die jungen Musiker zur Entfaltung brachten.
Auf diese Weise nahmen sie die interessiert lauschenden Eltern, Lehrer und viele andere Musikliebhaber mit auf eine Reise durch Böhmen und erzählten anhand des symphonischen Zyklus' Geschichten über wilde Kämpfe, stolze Burgen und herrliche Landschaften.
So konnte schon zu Beginn die Harfe Raum schaffen für prachtvolle Klänge. "Vysehrad" berichtet von einer Prager Burg; einem Ort, der von Ruhm und Untergang zeugt.
Die Spannung dieser Geschichte vermochten vor allem die Geigen ausdrucksstark wiederzugeben: Das Spiel um Sieg und Niedergang wurde dann und wann musikalisch hinausgezögert. Derartige Gegensätze waren auch zu hören in den übrigen Teilen des Konzertes.
Pompöse wie zarte, gesangliche Partien machten die Musik aus. Das Orchester schaffte es aber durchaus, diese Charakteristika durch fließende Übergänge zu kombinieren. Dramatisch und doch poetisch-friedlich gaben sie die Geschichte der Moldau wieder: Der Satz "Vltava" ("Die Moldau") beschreibt, wie sich die "warme" und die "kalte" Quelle der Moldau vereinigen.
Dass das Proben einer solch facettenreichen Komposition viel Arbeit bedeutet, wissen vor allem die Musiker selbst. Benedikt Brenk (Klarinette) und Maximilian Weiß (Geige) sind seit etwa zwei bis drei Jahren dabei. Für sie ist die Musik ein Hobby. Viele der anderen Orchestermitglieder, 15 bis 16 Jahre alt, haben allerdings durchaus vor, Musik zu studieren. Leiter Udo Mönks motivierte alle jungen Leute dazu, ein solches Hobby in Angriff zu nehmen. Vor allem das Fagott sei ein Instrument, das bisher noch der Minderheit angehöre. So betonte Mönks: "Wer Fagott spielt, wird sicher nicht arbeitslos."
LZ vom 6. Dezember 2006