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2006: Smetana



Das Detmolder Jugendorchester gab sich die Ehre und führte den Zyklus „Mein Vaterland“ von Friedrich Smetana auf. Was haben die Zuhörer an zwei Abenden erlebt:

Spektakulär beginnt der erste Satz „Vysehrad“ mit einem ausgedehnten Harfen-Solo. Nach alter Sage sitzt der Dichter Lumir hoch über der Moldau auf dem Felsen Vysehrad bei Prag, und singt zur Harfe: Von der geheimnisvollen, untergegangenen Burg Vysehrad, von der Geschichte und den Mythen Böhmens.

Nach der „Moldau“ malt der Satz „Aus Böhmens Hain und Flur“ in weiten Zügen die Gedanken und Gefühle, die den Betrachter beim Anblick der böhmischen Landschaft erfassen. Aus dem weiten Umkreis dringt inniger Gesang zu seinen Ohren, alle Haine und die ganze blühende Flur singen ihre Weisen, fröhliche und traurige. Sie alle kommen zu Wort, die tiefen, dunklen Wälder - in den Solopartien der Hörner - und die sonnigen fruchtbaren Tiefebenen der Elbe und andere Teile des reichen, schönen Landes Böhmen. Ein Satz voller „schöner“ Passagen, der den Solisten des Orchesters einen breiten Raum gibt.

Es folgt “Tabor“: Das ist die feste Burg, von den Hussiten gegründet, zu Schutz und Trutz der kriegerischen Scharen. "Wer da ist ein Gotteskämpfer" tönt der düstere Choral, der die Streiter entflammt, aber Grauen verbreitet in den Reihen der Feinde. Es ist die Zeit böhmischer Kraft und Größe.

Ebenfalls auf eine Sage greift der letzte Satz zurück: Die Heiden der Hussitenzeit ruhen im Berge Blanik. Hirten weiden auf seinem Abhange ihre Herden. Unheil kommt über das Land. Da steigen die Ritter herauf, bringen Sieg und Rettung. Und in neuem Glanze strahlt der Ruhm des Böhmerlandes.

So endet der Zyklus „Mein Vaterland“ in einem jubelnden Tutti-Finale.

Smetana - ein Leben und Sterben für die Musik


Friedrich Smetana,
* 2. März 1824 in Leitomischl,
† 12. Mai 1884 in Prag

Seit 1843 widmete sich Smetana ganz  
der Musik. Da die Prager Verhältnisse
damals künstlerisch wie politisch zu
eng für seine Ansichten und Pläne
waren, gelang ihm weder sein
Vorhaben, ein Symphonieorchester,
noch später einen Musikverein zu
gründen. Gern nahm er daher ein
Angebot an, nach Göteborg als
Musikdirektor zu gehen.
Diese Stellung, die er im Herbst 1856
antrat, gab ihm reichlich Gelegenheit,
Erfahrungen als Chor- und Orchester-
Dirigent zu sammeln. Die Zeit, die er
dort verbrachte, war in materieller
Hinsicht die Glanzperiode seines
Lebens. Die Milderung des österreichischen
Regimes in Böhmen nach dem
Kaiserdiplom (1860) gab Smetanas
Leben eine entscheidende Wendung.
Sein nationales Bewusstsein, das
infolge der deutschen Schulbildung
und des überwiegend deutschen
Umgangskreises, in dem er bisher
gelebt hatte, einigermaßen eingeschlummert
war, flammte auf.
Smetana entschied sich, von nun an
alle seine Kräfte ausschließlich der
tschechischen Nation zu widmen. Zur
Rückkehr nach Böhmen lockte ihn
besonders die bevorstehende
Eröffnung des selbstständigen tschechischen
Theaters (1862).
In Prag scheiterten vorläufig seine
Hoffnungen auf eine Kapellmeister-
Stelle beim Theater, doch entfaltete
Smetana eine große kulturpolitische
Aktivität. Sein Hauptinteresse galt dem
Ziel, eine national geprägte tschechische,
besonders dramatische Musik
zu schaffen. Der Erfolg seiner ersten
Opern (darunter Die Verkaufte Braut)
war entscheidend für sein Engagement
als 1.Theaterkapellmeister
(1866). Während der acht Jahre, in
denen er diese Stelle bekleidete, konnte
er seine Pläne verwirklichen. Im
Repertoire nahm er besonders auf die
einheimische Produktion Rücksicht.
Auch Werke des damals noch wenig
bekannten Dvorak kamen hier zur
Geltung.
Seit Juli 1874 zeigten sich bei ihm
Gehörstrübungen, die sich vereinzelt
bereits um 1860 gemeldet hatten. In
der Nacht des 20. Okt. 1874 trat völlige
Taubheit ein. In der Folge litt er
zusätzlich unter großer wirtschaftlicher
Not. Smetana, der lange die Hoffnung
auf Genesung von seiner Krankheit
nicht aufgab, suchte vergeblich ärztliche
Hilfe bei Spezialisten.
Trotz seines schweren Schicksals
erlahmte er nicht in seiner schöpferischen
Tätigkeit: Er begann nun mit der
Verwirklichung seines großen symphonischen
Zyklus, dessen Konzeption
eng mit den letzten Szenen seiner
Oper Libuse zusammenhängt. Die
Entstehung der ersten Teile, Vysehrad
und Vltava (Die Moldau), fällt in die
Zeit von Smetanas Katastrophe (Sept.
bis Dez. 1874). Im nächsten Jahre
schrieb er Sárka und Zceskych
luhua háju (Aus Böhmens Hain und
Fluren), und erst um die Jahreswende.

I. Vysehrad
Die Harfe des Sängers Lumir erklang
auf dem stolzen Vysehrad, dem Sitze
der böhmischen Fürsten und Könige.
Die Burg erstrahlte in Ruhm und Glanz.
Wilde Kämpfe kamen und rissen die
Pracht des Vysehrad in den Untergang.
Wie ein Echo ertönt über ihm
der längst verklungene Gesang Lumirs.
II. Vltava
Zunächst belauscht diese Komposition
die beiden Quellen, die sogenannte
"warme" und die "kalte"
Moldau, die im Schatten des Böhmerwaldes
entspringen. Ihre lustig dahinrauschenden
Wellen vereinigen sich
und erglänzen in den Strahlen der
Morgensonne.
Der Waldbach wird zum Fluß Moldau,
der auf seinem Weg durch die böhmische
Landschaft zu einem gewaltigen
Strom anwächst. Er fließt durch dichte
Waldungen, in denen das fröhliche
Treiben einer Jagd hörbar wird.
Er fließt durch Wiesen und Haine, wo
unter lustigen Klängen ein Hochzeitsfest
mit Gesang und Tanz gefeiert wird.
In der Nacht tanzen die Wald- und
Wassernymphen beim silbernen
Mondschein auf den glänzenden
Wellen ihre Reigen. Stolze Burgen,
Schlösser und ehrwürdige Ruinen als
Zeugen vergangener Herrlichkeit ziehen
vorüber.
1878/79 entstanden die letzten
Dichtungen, Tábor und Blaník, die
das Ganze zum einheitlichen Zyklus
vollendeten; bei der Drucklegung
erhielt dieser den definitiven Titel
Má vlast (Mein Vaterland).
Smetana erfreute sich immer steigender
Anerkennung der Öffentlichkeit:
100. Reprise der Verkauften Braut am
5. Mai 1882, erste Gesamtaufführung
des Zyklus Má vlast am 5. Nov. 1882.
Zunehmend musste er gesundheitlich
mit Halluzinationen und Ohrensausen,
Folgen seiner Krankheit, kämpfen, die
sich im Laufe des nächsten Jahres
unerträglich steigerten. Ende April
1884 musste er in die Prager Anstalt
für Geisteskranke überführt werden, in
der er bald darauf entschlief.

Der Strom braust und tost in den
Katarakten von St. Johannes. Mit
Gewalt und schäumenden Wellen
bahnt er sich den Weg durch die
Felsenspalte in das breite Flußbett, in
welchem er mit majestätischer Ruhe
weiter gen Prag dahinfließt, begrüßt
vom altehrwürdigen Vysehrad, bis er
schließlich in weiter Ferne den Augen
des Dichters entschwindet und sich in
die Elbe ergießt.
IV. Aus Böhmens Hain und Flur
Dieses symphonische Gedicht malt in
weiten Zügen die Gedanken und
Gefühle, die uns beim Anblick der
böhmischen Landschaft erfassen. Aus
dem weiten Umkreis dringt inniger
Gesang zu unseren Ohren, alle Haine
und die ganze blühende Flur singen
ihre Weisen, fröhliche und traurige. Sie
alle kommen zu Wort, die tiefen, dunklen
Wälder - in den Solopartien der
Hörner - und die sonnigen fruchtbaren
Tiefebenen der Elbe und andere Teile
des reichen, schönen Landes
Böhmen. Ein jeder kann dieser
Komposition die Erinnerung an das
entnehmen, was er ins Herz geschlossen
hat. Der Dichter hat freien Weg, er
braucht sich nur an die Einzelheiten
der Komposition zu halten.
Das Detmolder Jugendorchester wird unterstützt von:
V. Tábor
Das ist die feste Burg, von den
Hussiten gegründet, zu Schutz und
Trotz der kriegerischen Scharen. "Wer
da ist ein Gotteskämpfer" tönt der
düstere Choral, der die Streiter entflammt,
aber Grauen verbreitet in den
Reihen der Feinde. Es ist die Zeit
böhmischer Kraft und Größe.
VI. Blanik:
Die Heiden der Hussitenzeit ruhen im
Berge Blanik. Hirten weiden auf seinem
Abhange ihre Herden. Unheil
kommt über das Land. Da steigen die
Ritter herauf, bringen Sieg und
Rettung. Und in neuem Glanze strahlt
der Ruhm des Böhmerlandes.
Nach: Europäisches Musikfest der
Internationalen Bachakademie, Stuttgart
(12.9.1993)

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